Hallstatt, logo Touristische Entwicklung in Hallstatt
im Vergleich zu Èeský Krumlov
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7.4 Anhang 4: Geschichte von Hallstatt

Auf einer der vielen Werbematerialien der Hallstätter Salzwelten kann man folgenden Text lesen: "Hallstatt - kleiner Ort mit großer Vergangenheit".71 Es handelt sich um einen sehr gelungenen Werbeslogan, der einen der bedeutendsten Reisemotive dieser Tourismusdestination zum Ausdruck bringt. Auch aus der vergleichenden SWOT Analyse der Krummauer und Hallstätter Tourismusvertreter geht diese Tatsache und ihre große Bedeutung hervor.

Aus der Zeit 12 000 vor Christus stammen die ersten Funde in den Dachstein- Rieseneishöhlen, die eine menschliche Anwesenheit in dieser Gegend belegen (Jäger). Weitere archäologische Funde, die eine Besiedlung belegen, stammen aus der Zeit von 5 000 bis 3 000 v. Chr.

Das älteste Bergbaugeschehen kann man in der Jungsteinzeit, dem Neolithikum (2500 bis 1800 v. Chr.) feststellen. Das Salz - " das weisse Gold" - hat seit 4 500 Jahren die Menschen hierher gelockt.

Noch heute werden Werkzeuge aus der Bronzezeit (1800 - 800 v. Chr.) bei den archäologischen Ausgrabungen gefunden. Auf die Bronzezeit folgte die ältere Eisenzeit oder Hallstattzeit (800 - 450 v. Chr.). Während dieses Zeitraums wurde in großem Maße Salzbergbau betrieben und Hallstatt wurde ein europäisches Handelszentrum.

Viele Funde, die den regen Bergbau in der Vergangenheit beweisen, wurden oft nur durch Zufall beim planmäßigen Vordringen in das Berginnere entdeckt, so etwa wenn man unvermutet auf einen alten, verfallenen Stollen gestoßen ist. Bereits 1734 wurden die ersten kostbaren Funde ("Mann im Salz") entdeckt.

Ungefähr 400 Jahre vor Christus kamen die Kelten in die Gegend und haben die ansässige Bevölkerung stark mit ihrer Kultur, Technik, Handwerk, Religiosität, Kulten und Mentalität beeinflusst. Weitere wichtige Einflüsse haben die Römer (100 v. Chr. - 488. n. Chr.), die Germanen (seit 200 n. Chr.), sowie die ersten Christen (seit 300 n. Chr.) und Baiern (seit 530 n. Chr.) in diese Gegend mitgebracht.

Aus dem Mittelalter stammen mehrere Belege, die den kontinuierlichen Salzabbau als Lebensgrundlage der Hallstätter Bevölkerung beweisen. Das Salz wurde mit den Salzschiffen (Plätten) transportiert, im Donauhandel hat das Salz eine bedeutende Rolle gespielt und lange Zeit die Hauptfracht dargestellt. Zu Ende des 13. Jahrhunderts kam es sogar zu blutigen Salzkriegen zwischen den habsburgischen Landesherren und dem Salzburger Erzbischof.

Im Jahre 1311 wurde Hallstatt von Königin Elisabeth von Görz und Tirol zum Markt erhoben und seit dem Jahre 1449 kann man sein Wappen nachweisen. Die Siedlungsstandorte Hallstatts konnten sich eigentlich an den Aufschüttungsstellen von drei Wasserläufen (Waldbach, Mühlbach, Gosaubach) entwickeln, wo der Fels also nicht direkt an den See reichte.

Im Jahre 1595 begann man mit dem Bau einer Soleleitung von Hallstatt ins 40 km entfernte Ebensee, wo es größere Holzvorräte und mehr Platz für die Sudhütten gab. Diese Soleleitung ist heute als die "älteste Pipeline der Welt" bekannt.

Nach 1520 kamen die ersten Protestanten, die der Lehre Martin Luthers folgten, nach Hallstatt. Das Protestantentum begann sich besonders unter den Bergleuten rasch zu verbreiten. Im späten 16. Jahrhundert hat die Gegenreformation eingesetzt, deren Durchführung die evangelischen Salzarbeiter und Bauern mit einem Aufstand in den Jahren 1601/1602 verhindern wollten, der aber blutig unterdrückt wurde. Trotzdem blieben etwa zwei Drittel der Bevölkerung des Inneren Salzkammergutes insgeheim Protestanten.

Im Jahre 1734 wurde im Hallstätter Salzbergwerk die Leiche eines durch das Salz konservierten prähistorischen Bergmannes gefunden - Der Mann im Salz, der wahrscheinlich Opfer einer gewaltigen Murenkatastrophe (400 v. Chr.) war.

Von 1734 bis 1737 wurden viele Evangelische mit ihren Familien von Hallstatt nach Siebenbürgen vertrieben. Erst seit dem Toleranzedikt Kaisers Joseph II. im Jahre 1781 durfte man sich offen zur Evangelischen Glaubenslehre bekennen.

Im Jahre 1750 kam es in Hallstatt zu einer riesigen Brandkatastrophe, wobei viele Bürgerhäuser und andere Gebäude abbrannten. Auch viele Menschen fielen dem Brand zum Opfer.

Ende des 18. Jahrhunderts begann man im Hallstatt die Schädel der Toten aus dem hiesigem Friedhof zu bemalen. Diese Tradition wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts fortgesetzt und verbreitet - sie gehörte zu einem Kulturkreis, der vorwiegend im östlichen Alpenraum (Innviertel, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Bayern) verbreitet war. Die meisten Schädel wurden in den Jahren 1780 - 1900 bemalt. Es lässt sich eine gewisse Familientradition nachweisen, mehrere Maler wurden in dieser Zeitspanne in der Schädelbemalung tätig. Die Tradition der Schädelbemalung findet auch heutzutage in Hallstatt noch ihre Anwendung.72

Anfang des 19. Jahrhunderts verzeichnete man in Hallstatt beginnendes touristisches Interesse mit mehreren Besuche zahlreicher Reiseschriftsteller. In ihren Reiseberichten schrieben sie großteils von der landschaftlichen Schönheit und den Lebensgewohnheiten der Einheimischen, jedoch oft spiegelten diese Berichte die von den Autoren gewünschten Sichtweisen wider, die sich von der tatsächlichen Realität doch stark unterschied.

Manche der eindrucksvollen Schilderungen des Alltagslebens der Hallstätter schinden jedoch noch heute einen sehr starken Eindruck auf die Humanitäts- und Mitleidgefühle des Menschen: "Diese Sudhäuser bieten zugleich das empörendste Schauspiel menschlichen Elends und menschlichen Verworfenheit dar. Gleich beim Eintritte sahen wir uns von einem Heere bleicher, hohlwangiger, leichenähnlicher Menschen umringt, die uns von allen Seiten stießen und zupften und stumm mit flehentlichen Gebärden um ein Almosen baten... Diese Menschen, die fast nackt arbeiten und in Wachen zu 6 Stunden einander ablösen, vegetieren dahin, da die Sudarbeit Tag und Nacht ununterbrochen fortdauert..., die Hälfte ihrer Lebzeit opfern sie zum einen ihre Gesundheit, ihre Seelenkräfte und ihren Frohsinn."73

An der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert reiste der Naturforscher Josef August Schultes mehrmals nach Hallstatt, in seinem Werk "Reisen durch Oberösterreich" beschrieb er Hallstatt sehr poetisch und bewundernd und verglich die Schönheit Hallstatts mit der Venedigs. Er war es auch, der das Schlagwort "österreichische Schweiz" eingeführt hat.74 Sein Reisebericht über das Salzkammergut weckte das Interesse der Öffentlichkeit an der wunderschönen Landschaft am Fuße des Dachsteins und nach und nach wurde der Fremdenverkehr zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor.

Hallstatt war seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts eine starke Inspiration für die Maler der Biedermeierepoche. Maler wie Franz Steinfeld, Ferdinand Georg Waldmüller, Jakob Alt, Rudolf von Alt oder später auch Adalbert Stifter haben die einmaligen Hallstätter Landschaften in ihren berühmten Werken auf der Leinwand verewigt. Die Aufenthalte Adalbert Stifters trugen auch die Früchte im literarischen Umfeld. Er war mit dem Naturforscher und "Dachstein - Entdecker" Friedrich Simony befreundet und diese Freundschaft, die christliche Humanität, sowie die Natur als Wurzel des menschlichen Seins (Stifters "Sanftes Gesetz") spiegeln sich poetisch in seinen Werken wider (die Erzählungen: Der Kondor, Der Waldsteig, Bunte Steine oder im Roman Der Nachsommer).75 Die historische Kulturlandschaft Hallstatt- Dachstein/Salzkammergut, wird als Geburtsstätte der Biedermeierlandschaftsmalerei bezeichnet.

Im Jahre 1840 kam der junge Naturforscher Friedrich Simony nach Hallstatt, damit begann die wissenschaftliche und alpinistische Erschließung des Dachsteinmassivs.

1846 stießen die im Stollen mit Schottergewinnung beschäftigten Arbeiter zufällig auf "altertümliche Reste". Der amtierende Bergmeister Johann Georg Ramsauer begann eine intensive Grabungskampagne und machte sich damit um die Entdeckung des heute weltberühmten Hallstätter Gräberfeldes verdient. "1846, also noch bevor Heinrich Schlieman Troja entdeckte, begann Ramsauer das urgeschichtliche Gräberfeld von Hallstatt auszugraben und er fand in den darauffolgenden 17 Jahren in 980 Gräbern insgesamt 19 497 Objekte.

1857 wurde die Straße von Gosaumühle nach Hallstatt gebaut. Mit dieser Strasse war der erste Schritt zur verkehrsmäßigen Erschließung des Marktes auf dem Landwege getan. Bisher war die einzige Verbindung mit der Außenwelt für die Hallstätter ein schmaler Saumweg, sieht man von der Schifffahrt ab.

Die Initiativen von Dr. Josef Götz und des Wiener Hof- und Prominentenarztes Dr. Franz Wirer waren im 19. Jahrhundert für das ganze Gebiet von großer Bedeutung. Die beiden haben um 1820 die Salzsolebäder als wichtiges Therapiemittel in ihre ärztlichen Praxen eingeführt und in den darauffolgenden Jahren wurden die ersten Kureinrichtungen im nahen Bad Ischl gebaut. Der gesamte Hofstaat, die gesellschaftliche Prominenz, die Aristokratie, Künstler und Grossbürgertum fuhren nach Bad Ischl, wobei die Anwesenheit des Kaisers Franz Josef I., der seit 1848 regelmäßig nach Bad Ischl fuhr, am wichtigsten war und Bad Iachl damit zum kaiserlichen Kurort avancierte. Auch der Kaiser besuchte Hallstatt mit seiner zukünftigen Gattin Elisabeth 1853 im Rahmen eines Verlobungsausflugs, dann noch einmal im Jahre 1856. Beide Besuche leisteten einen wesentlichen Beitrag zur touristischen Attraktivität des Ortes. Es folgte schrittweise der Ausbau der Tourismuseinrichtungen aller Art während der Gründerzeit. Diese Epoche war für die Tourismusentwicklung im Hallstatt besonders wichtig.76

"Mit dem Bau der Kronprinz Rudolf Kammergutbahn in den Jahren 1876 - 78, nahm auch der Fremdenverkehr in Hallstatt einen gewaltigen Aufschwung. Alljährlich kamen nun Tausende Gäste, um die Naturschönheiten des Ortes zu genießen."77

Im Jahre 1855 wurde der Gasthof zur Post zum ersten Hallstätter Hotel umgebaut, dann folgte 1884 das Hotel Seeauer. "Um 1900 sorgten in Hallstatt bereits drei Hotels, zehn Gasthäuser und eine Brauerei für das leibliche Wohl der immer zahlreicher werdenden Gäste."78

Im 19. Jahrhundert wurden auch zwei neue - durch den wachsenden Fremdenverkehr bedingte Berufe eingeführt. Es handelte sich um die "konzessionierten Gewerbe" der Sesselträger und der Bergführer. Die Sesselträger haben die reichen "Touristen" - meist Aristokraten - in einem Sessel zum Hirschbrunn, Kessel, Rudolfsturm, zur Gosaumühle und sogar bis zur Simonyhütte in 2100 Meter Seehöhe gebracht. Die Bergführer hatten eine etwas einfachere Aufgabe, nämlich die Besucher in die Bergen zu begleiten und sie sicher zu geleiten.

Das Landleben, die Naturlandschaften, die Almhütten und ganz allgemein die Schönheiten der alpinen Regionen wählte sich schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts das österreichische Bürgertum, "die Sommerfrischler", als Gegenpol zu ihrer alltäglichen städtischen Umgebung. "Es ist ja kein Zufall, dass in Österreich die ersten Bergsteiger Städter waren, nämlich Wiener. Das Landleben wurde bewusst romantisiert, wurde immer schon interessant für Urlauber dargestellt."79

Im Jahre 1890 entstand die Seestrasse, die den Zugang in die Stadt verbesserte. 1910 wurden die Dachsteinhöhlen entdeckt (Eis- und Mammuthöhle), die man kurz darauf der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Während des zweiten Weltkrieges 1938 - 1945 sind auf den Schlachtfeldern 82 Hallstätter ums Leben gekommen, oder sind bis heute vermisst.

Durch den Bau der Seilbahn zu den Dachstein-Rieseneishöhlen und auf den Krippenstein im Jahre 1958 "erfuhr der Fremdenverkehr einen gewaltigen Aufschwung"80, womit aber auch steigende Verkehrsprobleme verbunden waren. Deshalb begann man verschieden Lösungen zu entwerfen und im Jahre 1964 hat der oberösterreichische Landtag die Ausführung eines Straßentunnels zur Lösung des Verkehrsproblems in Hallstatt beschlossen.

In den Jahren 1964 - 66 wurde der Bau der Ortumfahrung in Form eines Doppeltunnels mit Parkterrassen in der Mühlbachschlucht beendet, der auf eine ortsbildschonende und umweltfreundliche Weise diese Verkehrsproblematik löste. Die Erhaltung des einzigartigen Ortsbildes verdankt Hallstatt Dr. Friedrich Morton, der dafür unermüdlich kämpfte.

Seit 1994 ist am Hallstätter Gräberfeld wieder eine neue Grabungskampagne mit einem Archäologenteam aus Wien im Gange.

Im Jahre 1997 erhielt die Kulturlandschaft Hallstatt - Dachstein / Salzkammergut von der Welterbekommission den UNESCO Status. Die Urkunde wurde im Juni 1998 während eines viertägigen Festes dem Bürgermeister der Stadt übergegeben.

Wichtige Persönlichkeiten Hallstatts :

  • Gelehrte : Johann Georg Ramsauer, Isidor Eng, Friedrich Simony, Friedrich Morton, Konrad Deubler
  • Maler : Ferdinand Georg Waldmüller, Jakob Alt, Rudolf von Alt, Gustav Klimt, Friedrich Simony, Adalbert Stifter, Konrad Pilz
  • Literatur : Wilhelm Raabe, Franz Satori, J. A. Schultes, Adalbert Stifter, Johann Nestroy, Nikolaus Lenau, Carl Zuckmayer, Agatha Christie, Friedrich Morton

 


71 Salzwelten Hallstatt, Hallstatt. Kleiner Ort mit grosser Verhanngenheit, o. O., o.J.
72 Beinhaus Hallsttatt, Kunstverlag Hofstetter, Ried im Innkreis,
73 Mader, Johann Eduard: Reise von Böhmisch Krumau durch das oberennsische Salzkammergut nach Berchtesgaden, o. O., 1807.
74 Hallstatt-Chronik, S. 197.
75 Arche Noah, S. 8
76 Arche Noah, S. 6
77 Hallstatt Chronik, S. 645.
78 www.hallstatt.net
79 "Mit der Geschichte Reklame machen". S. 3.
80 Hallstatt Chronik, S. 646.


Johannes - Kepler - Universität Linz Dagmar Bezchlebová, Mag. Zdena Flašková

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