Holubover Serpentinite

Naturreservat

Katastralgebiet : Holubov, Køemže, Tøísov (okres Èeský Krumlov)

Fläche : 15,68 ha.
Höhe über dem Meeresspiegel : 458 - 501 m
Erklärt : 1972

Holubover Serpentinite, Naturreservat

Einzigartiger Komplex der Reliktserpentinitkiefernwälder mit Vorkommen der Serpentinitkartäusernelke (Dianthus carthusianorum subsp. capillifrons) und weiterer seltener Pflanzenarten.

Das Reservat erstreckt sich an Nord- und Osthängen des Waldes, die mit Schluchten zerfurcht sind und oben in Plateaus übergehen, im Tal des Køemžer Baches, etwa 0,6 km östlich von der Gemeinde Holubov entfernt.

Im Reservat wird die charakteristische Flora und Vegetation auf dem Serpentinituntergrund geschützt.

Die Serpentinite beeinflussen wesentlich die Zusammensetzung der Pflanzen- sowie Tiergruppen überall dort, wo sie den geologischen Untergrund bilden. Es geht um metamorphosierte basische Silikate. Für ihren Chemismus ist ein gewöhnlich beträchtlicher Inhalt einiger Metalle (Nickel, Chrom, Kobalt u. a.) charakteristisch, die in größeren Konzentrationen auf die meisten Organismen toxisch wirken. Bedeutsam setzt sich in den Serpentinitböden auch die hohe Konzentration von kohlensaurem Magnesium durch, das als Produkt der Metamorphose und Verwitterung der Serpentinite entsteht.

Holubover Serpentinite, Naturreservat   Holubover Serpentinite, Naturreservat

So finden wir, dass sich auf den Serpentinituntergründen gewöhnlich eine typische Vegetation bildet, die mit ihrer Zusammensetzung sowie Struktur oft sehr unterschiedlich von der umliegenden Vegetation auf Untergründen von anderen Gesteinen ist. Die Auswahl der Gattungen ist durch die Fähigkeit bestimmt den ungünstigen Auswirkungen des Serpentinituntergrunds zu widerstehen. Einige geläufige Pflanzenarten bilden auf den Serpentiniten spezifische Morphotypen, die sich in einigen Merkmalen von typischen Rassen unterscheiden. Es gibt auch solche Pflanzenarten, die mit ihrem Vorkommen ausschließlich an den Serpentinituntergrund gebunden sind.

Das Vorkommen der Serpentinite ist auf unserem Gebiet entstehungsgeschichtlich an den Rand der Granulitmassive gebunden. Deshalb ist nicht überraschend, dass die größten und bedeutendsten Vorkommen der Serpentinite in Südböhmen gerade im Køemžer Talkessel in der Region Èeský Krumlov anzutreffen sind.

Unser einziges ursprüngliches Holzgewächs, das den toxischen Auswirkungen des Serpentinituntergrunds dauernd widersteht, ist die Gemeine Kiefer. In alten Zeiten, am Ende der letzten Eiszeit, als auch in den Vorgebirgsgebieten Südböhmens raues Tundrenklima herrschte, war die Kiefer eine der wenigen Gattungen widerstandsfähiger Holzgewächse, die zerstreut in offenen Formationen der Periglazialtundra vorkamen. Später wurde die Kiefer von ihren Standorten durch anspruchsvollere Holzgewächse, insbesondere Laubbäume verdrängt, deren Ansiedlung dank der zunehmenden Erwärmung und weiterer Klimaänderungen ermöglicht wurde. Nur auf solchen Standorten, die aus unterschiedlichsten Gründen nicht durch anspruchsvollere Holzgewächse besiedelt werden konnten, erhielt sich und überwog die anspruchslose Kiefer. Einer von den Typen dieser Standorte waren gerade die Lokalitäten auf dem Serpentinituntergrund. Wir können deshalb mit Recht die meisten von diesen Standorten als relikt, aus uralten Zeiten der Entwicklung unserer Natur erhalten geblieben schätzen. Es ist selbstverständlich, dass die heutigen Kiefernwälder auf Serpentinitlokalitäten durch die Tätigkeit des Menschen beträchtlich beeinflusst sind, indem er die Landschaft im Vorgebirgsgebiet verhältnismäßig früh kolonisierte und für seinen Bedarf verwandelte. Mit Rücksicht auf die Eigenschaften der Serpentinituntergründe können wir jedoch mit Recht vermuten, dass es in diesen Fällen überwiegend um die Änderungen der Struktur ging, während die Artenzusammensetzung im Ganzen erhalten blieb. Deshalb ist zu schließen, dass die heutige Vegetation auf den Serpentinituntergründen auf unserem Gebiet dem vorangegangenen ursprünglichen Zustand viel näher liegt, als andere Typen der Vegetation. Das ist auch einer der Hauptgründe des Interesses der Forscher sowie Naturschützer für dieses Gebiet.

Im Reservat Holubover Serpentinite ist sowohl der typisch entwickelte, spärliche Serpentinitkiefernwald an Hängen des Køemžer Baches als auch die sehr charakteristische Vegetation auf verwitterten Aufschlüssen des Gesteines erfasst, die als Felsenbänke und -wände steil ins Bachtal abfallen.

Holubover Serpentinite, Naturreservat   Holubover Serpentinite, Naturreservat

Durch die Verwitterung der Serpentinite entsteht eine Reihe von interessanten Produkten, z. B. Magnesit (kohlensaures Magnesium). Ein Überbleibsel des Magnesitabbaus im Kleinen sind einige Blindstollen auf dem Gebiet des Reservats. Der größte von ihnen ist in der Felswand über dem Bach. Im Gestein an den Wänden des Stollens sowie in dessen Umgebung sind bis heute kleine sowie größere weißliche Magnesitadern zu sehen. Ein anderes interessantes Produkt der Metamorphose der Serpentinite sind die wegen ihres dekorativen Aussehens vielgesuchten Opale. Bekannte Fundorte der Opale sind Felder und Schutthänge bei Holubov, Bohouškovice, Chmelná, Stupná, Chlumeèek und anderswo im Køemžer Talkessel. In verwitterten Serpentiniten sind auch kleine Granate häufig.

Der Untergrund sind teilweise serpentinisierte Ultrabasika (Serpentinite), an den Rändern des Gebietes kommen Orthogneise vor. Die Serpentinite auf diesem Gebiet weisen einen hohen Gehalt an Magnesium, Nickel, Chrom und Kobalt auf.

Die überwiegende Vegetation an den Hängen mit südlicher Exposition sind spärliche Serpentinitkiefernwälder, die zur Assoziation Asplenio cuneifolii-Pinetum gehören und in denen eine Reihe von wärmeliebenden Arten vorkommt. Die Böden sind hier sehr flachgründig und der Serpentinituntergrund tritt oft an die Erdoberfläche. Die Baumstufe stellt die Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris) dar, vereinzelt sind auch weitere Holzgewächse zerstreut, z. B. Gemeine Fichte (Picea abies), Hänge-Birke (Betula pendula), Sommer-Eiche (Quercus robur) u. a. Die Bestände sind überwiegend gleichaltrig, im Alter von 100-120 Jahren, nur im nördlichen Teil gibt es junge Bestandgruppen – Kesselchen mit der Edel-Tanne.

In der Kräuterstufe wachsen Schaf-Schwingel (Festuca ovina, Pflanzen mit grau bereiften Blättern), Pfeifengras (Molinia caerulea agg.), Fiederschwenke (Brachypodium pinnatum), Gemeines Leimkraut (Oberna behen), Skabiosen-Flockenblume (Colymbada scabiosa), Draht-Schmiele (Avenella flexuosa), Gemeine Kreuzblume (Polygala vulgaris), Ästige Graslilie (Anthericum ramosum), Südliches Mariengras (Hierochloe australis) u. a. Auf den Felsen kommt verstreut der stark bedrohte Serpentin-Streifenfarn (Asplenium cuneifolium) vor. Floristisch ist das Vorkommen des Blaugrünen Labkrauts (Galium glaucum) und der Sand-Schaumkresse (Cardaminopsis arenosa) interessant. Mäßigere Nordhänge, wo der Serpentinit nicht bis an die Erdoberfläche tritt und wo tiefere und humusreichere Böden sind, gibt es geschlossene azidophile Kiefernwälder der Assoziation Dicrano-Pinetum. In der Baumstufe setzt sich in größerem Maße auch die Gemeine Fichte (Picea abies) durch. In der Kräuterstufe dominieren das Pfeifengras (Molinia caerulea agg.) oder Wald-Reitgras (Calamagrostis arundinacea), es fehlen hier sämtliche wärmeliebenden Arten. Die Holubover Serpentinite sind eine der Lokalitäten im Süden Böhmens, wo die kritisch bedrohte Serpentinit-Kartäusernelke (Dianthus carthusianorum subsp. capillifrons) wächst.

Holubover Serpentinite, Naturreservat

Vom Gesichtspunkt der Fauna aus ist von Interesse das Vorkommen der relikten Gitterstreifigen Schließmundschnecke (Clausilia dubia), die in den Spalten der Serpentinitfelsen lebt. Ein weiterer interessanter Fund der Schnecken ist die Rötliche Raubglanzschnecke (Daudebardia rufa) aus der Aue des Køemžer Baches. Von den Laufkäfern sind der Hügel-Großlaufkäfer Carabus arcensis, der trockenere Waldbestände mit der Kiefer in höheren Lagen präferiert, und unsere kleinste Art der Familie - C. convexus bemerkenswert. Der Gebüsch-Grabläufer Pterostichus aethiops ist eine Berg- und Vorgebirgsart. Interessant ist die Fauna der Zweiflügler. Baccha obscuripennis, Urophora quadrifasciata und Raupenfliegen Linnaemyia picta, Eumea mitis und Leucostoma simplex gehören zu wärmeliebenden Bestandteilen der Fauna, Thereva valida ist eine Vorgebirgsart der trockeneren Standorte. Auffällige Gallen auf dem Hein-Rispengras bildet Mayetiola poae, die in Südböhmen nur von ein paar Lokalitäten bekannt ist. In feuchten Biotopen am Køemžer Bach leben Thaumalea testacea, Parhelophilus versicolor und weitere Arten. Die Fauna der Wirbeltiere ist nicht besonders bunt, es leben hier vor allem eurytope Waldarten. Gefunden wurde auch die Glattnatter (Coronella austriaca).

Im Reservat wurden 5 dauerhafte Flächen (die Größe einer Fläche beträgt 400 m2) zur Beobachtung der Veränderungen der Vegetation auf den Serpentiniten markiert. Die phytozönologische Aufnahme läuft seit dem Jahr 1994. Der nördliche Teil des Reservats ist von dem südlichen Teil durch den Køemžer Bach und den örtlichen sandigen Weg getrennt, der vor allem den Hüttenbesitzern dient.

Bibliografie :
Domin K., 1930: Poznámky o vegetaèních pomìrech Krumlovska [Bemerkungen über die Vegetationsverhältnisse der Krumauer Region]. - Roèen. Vlastivìd., Spoleè. Jihoèes., È. Budìjovice. 1929: 78-81.
Knížetová L., Rivola M., 1971: Floristický a bryologický ráz jihoèeských serpentinitù [Floristischer und bryologischer Charakter der südböhmischen Serpentinite]. – Sborník Jihoèes. Muz. v Èeských Budìjovicích, Pøírodní Vìdy XI: 50-55.
Kuèera S., Mára E., Urban F., 1970: Chránìná krajinná oblast Blanský les – návrhová studie [Landschaftsschutzgebiet Blanker Wald - Entwurfstudie]. Ms. KSSPOP. Èeské Budìjovice. 1-99 p.

Weitere Informationen :
Charakteristik der natürlichen Verhältnisse in der Region Èeský Krumlov
Nationalnaturreservationen der Region Èeský Krumlov
Nationalnaturdenkmäler der Region Èeský Krumlov
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