Dívèí Kámen

Naturreservat

Katastralgebiet : Køemže (Bezirk Èeský Krumlov).

Fläche : 4,82 ha.
Höhe über dem Meeresspiegel : 440 - 475 m
Erklärt : 1952

Dívèí Kámen, Naturreservat

Das Reservat liegt etwa 2 km nordwestlich von der Ortschaft Tøísov entfernt am Zusammenfluss der Vltava (Moldau) mit dem Køemžer Bach. Das Hauptziel des Gebietsschutzes vom Gesichtspunkt der Naturwissenschaft aus ist in dieser Lokalität die Erhaltung eines Reliktkiefernwaldes und der Flechtenvegetation auf einem Felsenkamm aus Gneis auf dem Felsenvorsprung über dem Zusammenfluss des Køemžer Bachs und der Vltava. Der geologische Untergrund besteht aus Orthogneisen, auf der Westseite des Reservats schließt sich an sie das Granulitmassiv des Blanský les (Blansker Wald) an. Der Felsenvorsprung über dem Zusammenfluss ist etwa 70 m hoch mit steilen bis senkrechten Wänden, mit einer Süd- und Nordexposition.

Dívèí Kámen, Naturreservat   Dívèí Kámen, Naturreservat

Mit Rücksicht auf die beträchtliche kulturhistorische Bedeutung wurde in das Schutzgebiet auch die eigentliche Burgruine Dívèí kámen einbezogen, die sich auf einer Anhöhe unweit der erwähnten Gneiswand befindet. Diese gotische Burg wurde im 14. Jahrhundert von den Rosenbergern gegründet. In der Mitte des 16. Jahrhunderts war die Burg bereits zerfallen. Mit ihrer Länge von 210 m und Breite von 45 m gehört sie zu den größten Burgruinen in Böhmen. An der Stelle der Burgruine erstreckte sich eine Siedlung, die in mehreren urzeitlichen Epochen besiedelt war. Beim Bau der Burg wurde sie vernichtet. Es geht hier nicht nur um den Schutz der eigentlichen Ruine der mittelalterlichen Burg, sondern vor allem um die Erhaltung der alten Kulturschicht, die mit mehreren Unterbrechungen bis zur älteren Bronzezeit reicht und Gegenstand ausführlicher archäologischer Untersuchungen ist.

Dívèí Kámen, Naturreservat   Dívèí Kámen, Naturreservat

Vom botanischen Gesichtspunkt aus ist die eigentliche Burgruine nur durch das Vorkommen einiger wärmeliebender Pflanzenarten interessant. Von der Felswand über Dívèí kámen wird in der älteren botanischen Literatur das Vorkommen der Erika (Erica carnea L.) angegeben, einer geschützten Art, die häufiger in der Umgebung von Vyšší Brod wächst (z. B. im staatlichen Naturreservat Èertova stìna). Das Vorkommen ist nicht ausgeschlossen, zur Zeit wurde es jedoch nicht überprüft. Sonst ist hier die Vegetation aus einem Mosaik von Pflanzengesellschaften gebildet. Die Wälder auf den Felsen sind in die Kategorie der Schutzwälder eingereiht. Die Krummholzkiefern auf den Felsen erreichen ein Alter bis 170 Jahre. Die Bestände mit Tanne sind 90-120 Jahre alt, der Anteil der Tanne in ihnen erreicht bis 15 %. Ein größerer Teil der Fläche des Gebietes, insbesondere der Felsenvorsprung, ist mit Reliktkiefernwäldern (Betulo carpaticae-Pinetum) bewachsen. In der Baumschicht überwiegt die Gemeine Kiefer (Pinus sylvestris) mit einem Zusatz der Moor-Birke aus der Artengruppe Betula pubescens agg. Beide Holzgewächse wachsen hier in verkümmerter Form. Die Kräuterschicht ist arm an Arten, mit einem spärlichen Bewuchs, den gewöhnlich die Draht-Schmiele (Avenella flexuosa), Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Preiselbeere (Rhodococcum vitis-idaea) und einige Flechtenarten bilden. Auf den sonnigen südlichen Expositionen befinden sich semixerotherme Felsenpflanzengesellschaften (Alysso-Festucion pallentis). Dominante Arten sind das Felsen-Steinkraut (Aurinia saxatilis) und Blasser Schaf-Schwingel (Festuca pallens). Auf den Felsen mit der nördlichen Exposition bildeten sich auf dem Felsenvorsprung die artenarmen Pflanzengesellschaften der Felsenspalten der Artengruppe Androsacion vandellii mit überwiegendem Gemeinem Tüpfelfarn (Polypodium vulgare). Auf den bewaldeten Nordhängen überwiegen Tannenwälder (Deschampsio flexuosae-Abietetum), in denen die Edel-Tanne (Abies alba) dominiert. Eingemischt sind die Winter-Linde (Tilia cordata) und der Berg-Ahorn (Acer pseudoplatanus), vereinzelt die Rotbuche (Fagus sylvatica). Häufiges Vorkommen der Mistel (Viscum laxum subsp. abietis) auf den Tannen indiziert den natürlichen Standort. Der Fuß der Südhänge ist mit einer Strauchformation mit überwiegender Gemeiner Hasel (Corylus avellana) bewachsen, die hier die Hainbuche ersetzt. Die Artenzusammensetzung der Kräuterschicht entspricht der Vegetation der Pflanzengesellschaft Carpinion, wo insbesondere Hainarten wachsen, z. B. Dreilappiges Leberblümchen (Hepatica nobilis), Knollige Wallwurz (Symphytum tuberosum), Haselwurz (Asarum europaeum), Busch-Windröschen (Anemonoides nemorosa), Hohe Schlüsselblume (Primula elatior) u.a.

Dívèí Kámen, Naturreservat   Dívèí Kámen, Naturreservat

Von der Fauna ist das Vorkommen der xerophilen Moospuppenschnecke (Pupilla muscorum) von Bedeutung, häufig ist hier die Riesenglanzschnecke (Aegopis verticillus). Der Vielfüßer Haasea germanica ist ein Vorgebirgselement, das für das Vorgebirgsland des Šumava/Böhmerwaldes charakteristisch ist. Im felsigen Terrain und im Schutt lebt eine spezifische Fauna der Spinnen (Höhlenspinne Nesticus cellulanus, Saaristoa firma u.a.). Es lebt hier auch der geschützte Violette Maiwurm (Meloe violaceus). Es kommen hier einige bemerkenswerte Arten der Zweiflügler vor, und zwar sowohl in feuchten Biotopen des Ufers der Vltava (Tastermücke Dixa nubilipennis, Thaumalea testacea, Rhaphium trifidum), als auch in der Waldsteppe des Naturreservats (Acrocera orbiculus, Chymomyza caudatula, Chyliza nova u.a.). Von den Schmetterlingen ist die Art Synanthedon cephiformis bedeutend. Das Reservat ist traditioneller Nistort des Uhus (Bubo bubo).

 Dívèí Kámen, Naturreservat
Das Reservat Dívèí kámen liegt auf der Trasse mehrerer Wanderwege und wird häufig besucht. Durch das Reservat führt auch der Lehrpfad Tøísov – Dívèí Kámen – Holubov, der im Jahr 1999 eröffnet wurde. Die große Besucherzahl sowie gute Erreichbarkeit des Bachtals mit Kraftfahrzeugen verursachen, dass es hier zu einer viel zu hohen Konzentration der Besucher kommt. Unter diesen Umständen kommt es oft zu Beschädigungen des Pflanzenbestands, zum Pflücken der auch so seltenen Pflanzenarten und zur Verunreinigung des Raums des Reservats mit Abfällen.

Bibliografie :
Hartl J., 1968: Pøíspìvek ke kvìtenì Èeskobudìjovicka I [Beitrag zur Flora der Umgebung von Budweis]. Zpr. Ès. Bot. Spoleè., Praha. 165-172 p. Kuèera S., Mára E., Urban F.,1970: Chránìná krajinná oblast Blanský les. Návrhová studie [Landschaftsschutzgebiet Blansker Wald. Entwurfstudie]. Ms. KSSPPOP. Èeské Budìjovice. 1-99 p. Vondráèek V., 1935: Kvìtena okolo Køemže [Flora um Køemže herum]. - Roèen. Vlastiv. Spoleè. Jihoèes., È. Budìjovice, 1934: 54-55.
L: Rùžièka, 1994, Špatenka a Tesaø, 1980

Weitere Informationen :
Charakteristik der natürlichen Verhältnisse in der Region Èeský Krumlov
Nationalnaturreservationen der Region Èeský Krumlov
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