Èertova stìna und Luè
 

Schutzgebiet mit der höchsten Schutzkategorie - nationales Landschaftsreservat. Es wird von zwei Teilen gebildet. Èertova stìna wurde als ein Schutzgebiet von einem Ausmaß von 10 ha im Jahre 1956 errichtet. Das Schutzgebiet Luè wurde schon im Jahre 1933 auf einer Fläche von 95 ha errichtet. Beide Schutzgebiete wurden durch eine Kundmachung des Umweltministeriums der Tschechischen Republik Nr. 395/1992 Slg. vereinigt und in die neue Kategorie – das nationale Landschaftsreservat - eingegliedert.

Èertova stìna (Teufelswand), Ansicht von oben, Foto: Andreas Buchner
Gefördert durch : Phare und Firma IPIX.

Das geschützte Gebiet liegt auf beiden Seiten des Flusses Vltava auf steilen steinblockförmigen Abhängen des caòonförmigen Tales. In das Reservat gehört auch ein Teil des eigentlichen Flusses Vltava mit mächtigen Steinblöcken im Flußbett mit charakteristischen Erosionsanzeichen (ausgemahlene "Riesentöpfe" in den Steinblöcken). Große Flächen der Abhänge sind mit ausgebreiteten Schottern periglazialen Ursprungs bedeckt. In den Gipfelpartien von Luè und Èertova stìna finden wir mächtige Felsgebilde (Frostblockhäuser, Felsenwälle und isolierte Felsen). Das bekannteste Felsengebilde ist der Felswall auf dem Gipfel von Èertova stìna mit großem Steinmeer oberhalb des rechten Ufers von Vltava. Geologische Sohle des Großteiles des Reservates ist ein Doppelglimmergranit bis Adamellit des eisgarnischen Typs.

Nationalnaturreservation Èertova stìna (Teufelswand) und Luè, Foto: Václav Dolanský

Die Felsenschotter befinden sich in verschiedenen Phasen der Erdbedeckung und demgemäß unterscheidet sich auch ihre vegetative Bedeckung. Der bedeutendste Typ der Vegetation sind Reliktkiefer- und Birkenwälder auf teilweise vererdeten Schottern. Dies sind dünne Bestände von Kiefern (Pinus sylvestris) und Birken (Betula pendula, Betula carpatica) mit armem Unterwuchs von anspruchslosen azidophilen Arten (Erika, Heidelbeere, Preiselbeere) und mit charakteristischer Moos-und Flechtenschicht.

Èertova stìna und Luè, nationales Landschaftsreservat

Die steinblockförmigen und nicht vererdeten Schotter (Steinmeere) im Gebiet von Èertova stìna und auf dem südöstlichen Abhang von Luè haben keine Baum- und Kräuterschicht und ihre vegetative Bedeckung sind nur Reliktmoos- und Flechtengemeinschaften, gebildet von spezifischen Arten, die sich den extremen Bedingungen dieser Gebiete angepasst hatten.

Èertovy proudy (Teufelsströme) sind die meiste Zeit ohne Wasser, Foto: Václav Dolanský

An den Stellen mit tieferem Bodenprofil blieben Reste eines Mischwaldes mit Buche und Tanne erhalten (Blumeneichenwälder und Abhangstannenwälder), auf dem Großteil der Flächen wurden sie aber durch Nadelwaldkulturen ersetzt.

Im Reservat wächst relativ häufig die Perlmuttererika (Erica herbacea), eine charakteristische Art im Kiefernwald vom ozeanischen Klimatyp. Botanisch bedeutend ist das relikthafte Vorkommen der Wintereiche in Fragmenten der Felseneichenwälder in einer Seehöhe von über 800m auf dem südöstlichen Kamm von Luè und das ökologisch beachtenswerte Vorkommen des Vaccinium uliginosum an der Ferse von Èertova stìna.

Ein sehr wertvolles Phänomen sind die Reliktgemeinschaften von wirbellosen Tieren des Epigeion (der Oberfläche und der obersten Schichten der Erde und Schotter).

Erika, Foto: Václav Dolanský

Die bedeutendsten Arten, gebunden an mezzo- und mikroklimatisch völlig specifische Gebiete der kahlen und bewaldeten Schotter, finden wir in der Gruppe von Käfern und Spinnen.

Die Wirbeltiere sind im Reservat von 14 Säugetierarten, 43 Vogelarten, 2 Arten der Lurche und von 3 Kriechtierarten vertreten. Der Großteil der festgestellten Lebewesen sind Arten mit nicht besonders ausgeprägten Ansprüchen auf Standorte, typisch für die gegenwärtigen Kulturen von Nadelwäldern. Eine Ausnahme bilden einige Vogel- und Kriechtierarten, die offene Flächen von Schottern bevorzugen (das Gartenrotschwänzchen - Phoenicurus phoenicurus, das Hausrotschwänzchen - Phoenicurus ochruros, die Eidechse - Lacerta vivipara, die Glattnatter - Coronella austriaca). Von den weiteren bedeutenden Vogelarten finden wir hier die Holztaube (Columba palumbus) und den Schwarzspecht (Dryocopus martius).

Èertova stìna und Luè, nationales Landschaftsreservat Èertova stìna und Luè, nationales Landschaftsreservat

Das Reservat ist für die Fußgänger vom Parkplatz an der Straße Louèovice-Vyšší Brod erreichbar, von wo ein Pfad bis zum Gipfel des Felsenwalles von Èertova stìna führt. Das Betreten weiter auf das Steinmeer ist aber vom Gesichtspunkt des Naturschutzes aus völlig unerwünscht. Außerdem führen durch das Schutzgebiet zwei Touristenwege.

Èertova stìna und Luè, nationales Landschaftsreservat

Legenden und Erzählungen :
Den Teufel störte der Bau des Klosters in Vyšší Brod, er wollte deshalb in der Schlucht einen Damm bilden, der das Wasser aufhalten sollte, womit er später das Kloster überfluten wollte. Höllenmächte stürzten riesige Steinblöcke in das Flussbett der Vltava, die Arbeit sollte aber fertig sein, bevor der Hahn dreimal kräht. Der Höllenfürst mit den bösen Mächten hatten aber keinen Erfolg und nach dem dritten Krähen des Hahnes was des Teufels Macht zu Ende. Auf dem Turm des Klosters läutete die Glocke und der Teufel mußte den Steinblock fallen lassen, auf welchem bis heute noch der Abdruck der Teufelskralle zu sehen ist.

Èertova stìna und Luè, nationales Landschaftsreservat

Den großen Steinblock oberhalb des Flusses nennt man die Teufelskanzel und den steilen Abhang voll von mächtigen Steinen darunter Èertova stìna (die Teufelswand). Dieser Felsen hieß vor langer Zeit Strašidelník (der Gespenstige). Laut älteren Legenden war dies ein heiliger Platz, wo die alten Slawen ihren Gott des Guten Svatoroh verehrten. Das Christentum hat angeblich die alte Sage zur Schaffung einer neuen Legende benutzt, in welcher das Böse vom Teufel und das Gute vom Kloster in Vyšší Brod dargestellt wurde.

Weitere Informationen :
Charakteristik der natürlichen Verhältnisse in der Region Èeský Krumlov
Èertova stìna (Teufelswand), Versuche der Flößbarmachung der Teufelsströme

 



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