St. Maria Magdaléna Kirche in Chvalšiny
 

Chvalšiny, die Kirche der heiligen Maria Magdalena, Foto : Petr Odložil

Sie steht in der Mitte des verlängerten Platzes an der alten Straße zwischen Krumau und Prachatiz und sie ist der St. Magdalena eingeweiht. Dank der ausgezeichneten Entdeckungen der Restauratoren neunziger Jahren unseres Jahrhunderts bei Renovierungen der Gemälde in der Kirche haben wir über diese viel mehr erfahren, als vor kurzem bekannt war. Die gegenwärtige Kirche ist schon der zweite Bau dieser Art in der Gemeinde, weil schon vor ihr hier eine andere kleine Kirche stand, die derselben Heiligen eingeweiht wurde.

Chvalšiny, die Kirche der heiligen Maria Magdalena, die Kanzel, Foto : Petr Odložil Chvalšiny, das Altarbild in der Marienkapelle, Foto : Petr Odložil

Die jetzige Kirche wurde im spätgotischen Stil in den Jahren 1487 - 1507 gebaut, wovon einige im Kirchenschiff erhaltene Jahreszahlen zeugen. Manche Arbeiten wurden bis zum Jahr 1514 fertiggestellt. Ein großer Teil der Kirche ist ein Werk der berühmten Bauhütte von Rosenberg und deren Baumeisters Hans Götzingers. Sein Name ist in der Mitte im Schiffgewölbe angegeben. Die Kirche wurde im Zeitverlauf repariert. Bei den Renovierungsarbeiten wurde über dem Siegesbogen ein großes Wandgemälde entdeckt, das das Jüngste Gericht darstellt. Sein Autor war im Jahre 1514 Meister Jakub Pecka, wie am Gemälde angegeben wird. Es wurden auch weitere Wandgemälde im Schiff im Bereich des ersten Gewölbebolzens, der Form der Dornenkrone hat, entdeckt. In der Nähe vom Bolzen befindet sich das Wappen der Herren von Rosenberg - die fünfblättrige Rose.

Chvalšiny, die Kirche der heiligen Maria Magdalena, fresko im Presbyterium, Foto : Petr Odložil

Das Kirchenschiff hat ein kombiniertes und sternförmiges Gewölbe des Vorhussitentyps, es stammt aber von der späteren Zeit. Das ganze Interieur macht auf Ankömmlinge einen tiefen Eindruck und erweckt ein Freudegefühl von der Schönheit. Bis auf kleinere zeitgemäße Anpassungen hat sich das Schiff in ursprünglicher Gestalt erhalten. Die kurzen, sich gegeneinander durchhauenden Rippen im Gewölbe bilden ein Muster der sechszackigen Sterne. Die verdoppelt gerillten Rippen stützen sich auf die reich gegliederten Stützsäulen, die in drei offene Bolzen führen. Zwei davon sind mit der stilisierten Dornkröne gezimmert. Die Stützsäulen am Musikchor sind mit einer Rosette verziert. Zwei hohe Fenster auf der Nordseite des Schiffes haben kein Maßwerk, weitere zwei Fenster auf der Südseite sind dreiteilig und mit ursprünglichen spätgotischen Maßwerken versehen. An den Stützpfeilern und auch an anderen Stellen im Schiff wurden zahlreiche Steinmetzzeichen erhalten. Der Musikchor besteht auf zwei Mauersäulen und sein zweiter im Jahre 1846 errichteter Stock auf den Gußeisensäulen. Die Orgel am Chor wurde im Jahre 1672 gebaut. Von der Südseite der Kirche ist am Haupteingang ein hohes reich profiliertes Sattelportal mit einem spitzigen Tympanon und geradem Sturz.

Chvalšiny, das Gewölbe im Kirchenschiff der Kirche der heiligen Maria Magdalena, Foto : Petr Odložil Chvalšiny, die Kirche der heiligen Maria Magdalena, das Kirchenschiff, Foto : Petr Odložil

Im Maßwerk des Tympanons befindet sich ein Schild mit einer Brezel als Zeichen der Bäckerzunft, die wahrscheinlich auch beim Bau der Kirche teilgenommen hat. Links vom Südeingang befindet sich eine kleine zum Keller führende Tür. Sie hat eine schöne, reich profilierte Türgewände. Der Nordeingang in die Kirche hat ein sehr gegliedertes und mit Rosette beendetes Tor mit Seitenfilialen. Dieses Tor bildete einst den Eingang in den ursprünglichen Friedhof der Kirche und im Jahre 1847 wurde es an die jetzige Stelle übertragen. Das Presbyterium der Kirche ist in achtkantiger Form ausgeführt und hat ein sternförmiges Netzgewölbe. Im Gewölbe über dem Altar ist die Jahreszahl 1494 eingearbeitet, von der früher das Alter der Kirche abgewickelt wurde. Die Nutrippen im Gewölbe stützen sich ähnlich wie im Kirchenschiff auf die tief profilierten Säulen, die bis ans Pflaster reichen. In der Mitte sind sie mit der Traufengesims geteilt, und führen in die mit Rosette gezierten Bolzen. Die Farbfenster im Presbyterium wurden im Jahre 1894 zur Erinnerung des 400. Jahrestages der Dauer der Kirche errichtet. Auf der Nordseite des Presbyteriums befindet sich ein Wandgemälde von zwölf Aposteln aus der Zeit um 1500. An der Kanzel sind Statuen der Heiligen Jungfrau mit dem Christkind und des St. Dominiks und allegorische Statuen der Glaube, Hoffnung und Liebe.

Chvalšiny, ein Teil des Stützpfleilers der Kirche der heiligen Maria Magdalena, Foto : Petr Odložil

Aus dem Presbyterium wird in die Sakristei eingegangen. Das Portal hier hat eine reich profilierte Türgewände mit der Jahreszahl 1489, zwei Hufeisen und im Giebel eine fünfblättrige Rose. Über dem Presbyterium befindet sich ein kleiner Turm mit dem pyramidenförmigen Dach vom 1887. An der Nordwand der Kirche baute die Rosenkranzbrüderschaft im Jahre 1760 die Marienkapelle. Es geht um einen schönen kleinen Bau mit ringförmigem Grundriß, der mit einer niedrigen Kuppel mit einer Laterne beendet ist. In der Kuppel befindet sich ein Fresko, das die Heilige Jungfrau als Patronin der weltlichen und geistlichen Stände darstellt. Am Altar ist ein Bild der Heiligen Jungfrau mit dem Christkind, das St. Dominik und St. Katharina Sienská anbeten. An den Wänden befinden sich Fresken von Frater LukᚠPlankl aus dem Goldenkronenstift, die Drei Könige und Flucht der heiligen Familie nach Ägypten darstellen. Die Wandgemälde sowie sonstige Bildwerke in der Kapelle wurden im Jahre 1998 renoviert. In den Kartuschen an den Wänden ist das 15. Geheimnis des Rosenkranzes gemalt. Der Eingang in die Kapelle ist mit Pilastern geziert. Über dem Eingang ist im Tympanon ein Wandgemälde Maria Verkündigung und in der Kartusche ein näher unbekanntes Zeichen.

Chvalšiny, das Interieur der Kirche der heiligen Maria Magdalena, Foto : Petr Odložil

In der Kirche befinden sich drei Altäre. Der Hauptaltar im Presbyterium reicht bis ans Gewölbe und wurde hierher im Jahre 1688 aus Krumau geliefert. Der Verfasser ist Bildschnitzer Martin Lindenmayer. Im Jahre 1862 wurde das alte Altarbild St. Maria Magdalena durch das neue von A. Lhota ersetzt. Auch die Statuen St. Peter und Paul wurden für die neuen ausgetauscht (Verfasser E. Wessely). Im Oberteil des Altars befinden sich die Bilder Krönung der Heiligen Jungfrau und der Heiligen Anna mit Maria, an denen seitlich und oben die Statuen St. Josef, St. Barbora, St. Katharina und St. Michal stehen. Die alten Statuen St. Peter und Paul stehen an der Wand. Zum Altar gehörten fünf Bilder, die in verschiedenen Zeiten des Kirchenjahres getauscht wurden.

Chvalšiny, die Rosenkranzkapelle der Kirche der heiligen Maria Magdalena, Foto : Petr Odložil

Weitere Altäre:
Auf der Evangeliumsseite des Schiffes ist ein kleiner Altar St. Linhart und auf der Epistolseite ein Altar mit dem Bild Maria Himmelfahrt. Das Bild ist alt, aber übermalt. Darüber ist das Bild Dreieinigkeit und zu den Seiten stehen die Statuen St. Maria Magdalena und St. Barbara und über dem Altar ist die Statue St. Michal. Das war der Altar der Weberzunft. Die Taufkapelle stammt vom Ende des 17. Jahrhunderts. An der äußeren Stirnwand des Gebäudes befindet sich ein Erker mit zwei Öffnungen auf drei Konsolen. Er stammt aus dem Jahre 1507. Der Erkerzweck ist nicht genau bekannt. Er konnte beim Bau der Oberteile der Kirche dienen. Auf der Nordseite des Schiffes befindet sich ein niedriger kleiner Turm mit der Uhr, der im Jahre 1887 errichtet wurde. Der Kirchturm ist ein massiver und verhältnismäßig niedriger Bau. Vor dem Ersten Weltkrieg waren in der Kirche mehrere Glocken, aber manche wurden zu den Kriegszwecken beschlaggenommen und zerschmolzen. Im Turm blieb eine große Glocke zu Ehren St. Maria Magdalena vom 1762 und eine kleinere, gegossen vom Meister Václav aus Vodòany im Jahre 1472. Sie stammt offensichtlich aus der älteren Kirche. Sie hat ein Relief mit Jesus Christus mit Maria und St. Johann.

Bei der Kirche war einst der Friedhof, der im Zeitverlauf den Bedürfnissen der Gemeinde und der anliegenden Ortschaften nicht genügte. Der Friedhof wurde von der Mauer umgeben, die im Jahre 1838 liquidiert wurde. Der jetzige Friedhof befindet sich links hinter der Gemeinde an der Straße in Richtung Prachatiz.


Weitere Informationen :
Chvalšiny
Geschichte der Gemeinde Chvalšiny
Bedeutende Objekte in Chvalšiny
Museum des Schwarzenberger Schwemmkanals in Chvalšiny
Schloß Èervený Dvùr
Schwarzenberger Schwemmkanal
Josef Rosenauer
Borová
Hejdlov
Chvalšiny - Literatur



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