Stadtpark
 

Nach Èeský Krumlov kommt man, wenn man historische Sehenswürdigkeiten bewundern oder Kultur genießen will, oder wenn man geschäftlich unterwegs ist. Nur wenige Leute sind sich dessen bewusst, dass diese „Perle Südböhmens„ von einer unvorstellbar reichen Natur umgeben ist, dass der Kontakt mit Tieren, Bäumen und Blumen sogar direkt in der Stadtmitte sehr intensiv ist. Ein Beispiel dafür kann der Stadtpark sein.

Stadtpark in Èeský Krumlov, Ansicht der Kirche St. Veit, Foto:  V. Šimeèek

Geschichte
Die Stelle, wo sich heute der Stadtpark befindet, nutzten seit jeher die Einwohner der Stadt als wirtschaftliches Hinterland. Neben den landwirtschaftlichen Bauten gab es hier Wiesen, kleine Felder und Gärten. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts wurde jedoch dieser Raum zur Erholungsstätte und zum Jesuitengarten. Diese lebten auf dem anderen Ufer des Flusses Vltava im Jesuitenkollegium (das heutige Hotel Rùže) und in den Garten kamen sie über einen Steg über den Fluss Vltava. Im Raum des heutigen Parkes erbauten sie im Jahre 1662 einen Sommersitz mit einem barocken Ziergarten, der vor dem Hochwasser mittels eines Deiches geschützt war. Während es über den Garten keine näheren Informationen gibt, blieb ein Teil des Gebäudes des Jesuitensitzes jedoch bis heute erhalten. Man errichtete dort das Hotel Gold.

Kapelle St. Martin in Èeský Krumlov, Foto:  Jos. Prokopec

Es ist erwähnenswert, dass in den beschriebenen Raum bereits im Jahre 1585 der Friedhof von der Kirche St. Veit verlegt wurde. Die Friedhofskapelle St. Martin in der Stadt Èeský Krumlov machte eine ganze Reihe von Bauveränderungen durch. Der ursprüngliche Holzbau wurde im Jahre 1717 durch einen gemauerten Bau ersetzt und dieser wurde dann im Jahre 1737 in die heutige Form umgebaut.

Zu umfangreichen Veränderungen in der Gestaltung und Nutzung des ganzen Geländes kam es an der Wende des 19. Jahrhunderts. Im Jahre 1885 wurde am Ufer des Flusses Vltava ein Flussschwimmbad errichtet. Im Jahre 1892 wurde der Friedhof an der Kapelle St. Martin aufgehoben und zur selben Zeit wird der sog. Jesuitengarten Gemeindeeigentum. Um das Jahr 1900 entstand der Spielplatz, der als Sommersportplatz und auch als Eislaufplatz genutzt wurde. Das gesamte Gelände wurde im Jahre
 Stadtpark in Èeský Krumlov, Denkmal der Kämpfe und Siege über dem Faschismus, Zadražil
1908 anlässlich des 60. Jubiläums der Herrschaft des Kaisers Franz Josef in die Parkgestalt verändert. Nach ihm wurde der Park auch für kurze Zeit benannt. Hauptsächlich machte sich der Bürgermeister Frank Khemeter dafür verdient, dass das ganze Gelände als ein wirklicher Park gestaltet wurde. Dies beweisen die Eintragungen in dem Gedenkbuch der Stadt Èeský Krumlov.

Im Park wurden mit der Zeit einige Denkmäler errichtet. Das erste aus dem Jahre 1910 wurde dem Friedrich Ludwig Jahn, dem Gründer der deutschen Körpererziehung, gewidmet, die Gedenktafel von ihm wurde jedoch nach dem Jahre 1945 entfernt. Ein ähnliches Schicksal hatte auch das zweite Denkmal den Opfern des 1. Weltkrieges, das im August 1930 enthüllt wurde. Spuren der Anwesenheit dieser beiden Denkmäler finden wir heute nur noch mühsam. Das dritte, neueste Denkmal, in der Projektdokumentation als Denkmal der Kämpfe gegen den und des Sieges über dem Faschismus benannt, wurde am Ende der 80er Jahre dieses Jahrhunderts errichtet. Die Plazierung dieses Denkmals im Park wurde zum Gegenstand vieler Diskussionen sowohl der Fachleute als auch der Öffentlichkeit.

Ein unübersehbares Objekt ist der hölzerne Musikpavillon, der vor dem 1. Weltkrieg in der Nähe des bereits erwähnten Jahn-Denkmals erbaut wurde. Der Pavillon diente seinem Zweck noch in den fünfziger Jahren.

Stadtpark in Èeský Krumlov, Musikpavillon, Foto:  V. Šimeèek

Ein selbständiges Kapitel bildet die Entwicklung des Netzes der Parkwege. Ein bedeutendes Element war der Weg in der Form eines Ovals mit einem Verbindungsweg, womit der Zugang zu allen bedeutenden Stellen ermöglicht wurde. Reichlich gegliedert war auch das Wegenetz um die Kapelle St. Martin herum. Mit Ausnahme der Wege um die Kapelle ist das ursprüngliche System bei der Realisierung des Denkmals der Kämpfe gegen den und des Sieges über dem Faschismus zerstört worden. Nur sehr aufmerksame Parkbesucher können erahnen, wie das ursprüngliche Wegenetz ausgesehen hatte.

Naturverhältnisse
Der Park mit der Fläche von etwa 2,5 ha befindet sich in der Stadtmitte im Mäander des Flusses Vltava an seinem linken Ufer. Er ist in ein flaches Terrain situiert, nur sein südlicher Teil befindet sich auf einer künstlich geschaffenen Terrasse, die sich leicht in Richtung Süden hebt.

Die Flussanschwemmungen sowie die Bodenkultivierung bei dessen wirtschaftlicher Nutzung haben gemeinsam mit der durch die umgebenden Bauten geschützten Lage ein günstiges Milieu für die hier angepflanzten Holzgewächse gebildet. In den Archivdokumenten wurden jedoch bis zur heutigen Zeit leider keine Informationen über das ursprüngliche Sortiment der Bäume und Sträucher gefunden, die bei der Errichtung des Parks angepflanzt wurden.

Stadt Èeský Krumlov, die zweite Krümmung der Vltava, Luftaufnahme, Foto: Lubor Mrázek

Seit dem Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts hat sich die Pflanzenartenzusammensetzung des Stadtparks stark geändert. Während auf der Liste der Holzgewächse aus dem Jahre 1978 insgesamt 82 Arten stehen, finden wir heute im Park 65 natürliche und veredelte Arten der Nadel- und Laubbäume und Nadel- und Laubsträucher. Die geringere Artenmenge ist nicht nur durch die Bautätigkeit im Park und in seiner nahen Umgebung, sondern vor allem durch die Luftverschmutzung und auch durch die in der Vergangenheit vernachlässigte Pflege der Parkbestände verursacht worden.

Trotz diesen kritischen Feststellungen ist aber auch die heutige Zusammensetzung der Holzgewächse sowohl für die Laien als auch für die Fachleute von Interesse. Nicht zu übersehen ist auch die Tatsache, dass der Baum- und Strauchbestand des Parkes günstige Bedingungen für wertvolle Hainkräuter (erwähnenswert sind z.B. Gelbstern, Lerchensporn und Vogelmilch) sowie auch für zahlreiche Singvögel schaffen, von denen hier verschiedene Meisenarten leben.

Kommen wir auf die Holzgewächse zurück, die verständlicherweise das auffallendste Hauptphänomen des Stadtparks sind. Machen wir einen kleinen Ausflug, bei dem wir uns zumindest an einige der mehr als sechzig evidierten Baum- und Straucharten erinnern. Wie es das botanische System verlangt, beginnen wir bei den Nadelgewächsen.

Rote Eibe, Foto: Lubor Mrázek

Der Eibebaum (Taxus baccata) ist ein Strauch bis Baum, der ein Alter von bis zu 300 Jahren erreicht und in eine Höhe von 20 Metern wächst. Flache Nadeln mit einer dunkelgrünen Oberseite wachsen in zwei Seiten. Auffällig sind blutrote Beeren. Die ganze Pflanze ist (außer dem Samenmantel) stark giftig. Der Eibebaum erreicht ein hohes Alter. Im Park wurde eine Reihe von Straucheiben und ein Eibebaum angepflanzt. Wer weiß, ob vielleicht dieser Baum der Zeitgenosse der Gründung des Stadtparks ist.

Stadtpark in Èeský Krumlov, rote Eibe

Unter den Kiefern ist die Weimutskiefer (Pinus strobus) auffällig, die hier mit sechs hohen Bäumen vertreten ist. Sie stammt aus den östlichen Gebieten Nordamerikas. Wegen ihrer Anspruchlosigkeit begann man sie bereits anfangs des 18. Jahrhunderts in den europäischen Parkanlagen und Wäldern anzupflanzen. Auffällig sind ihre grau-grünen langen Nadeln, die in Gruppen zu fünft wachsen. Die ungewöhnlich feinen Nadeln gaben dieser Kieferart auch das Attribut „seiden„. Interessant sehen auch die Zapfen aus, die lang sind und abstehende mit Harz bedeckte Schuppen haben.

Im östlichen Teil des Parks befindet sich eine Gruppe von Nadelbäumen, unter denen man die Zypresse (Chamaecyparis nootkatensis) nicht übersehen kann. Es ist ein wunderschöner, schmal pyramidenartiger Baum, der in seiner Heimat eine Höhe bis zu 35 Metern erreicht. Seine Artbenennung erinnert daran, dass sich das Heim dieses Baumes in der Bucht Nootka in Nordamerika befindet. Er hat sehr überhängende kleine Zweige mit eng anliegenden Blättern. Ungewöhnlich sind die kugelförmigen, aus 4-6 Fruchtschuppen zusammengesetzten Zapfen mit Auswüchsen.

Erwähnen wir auch noch die einzige hier wachsende Tannenart. Es ist die Reiftanne (Abies concolor). Dieser wiederstandsfähige Baum wächst in Nordamerika in eine Höhe von 40 bis sogar 60 Meter. Er besitzt eine kegelförmige Krone, hellgraue Rinde und lange, sichelförmige Nadeln mit matter, grau-grüner Färbung. Die Zapfen dieser Tannenart finden wir kaum, da sie noch am Baum, wie es auch bei anderen Tannen der Fall ist, zerfallen.

Unsere Exkursion fährt mit den Laubgewächsen fort. Im zentralen Teil des Parks wächst ein einziges Exemplar von (Liriodendron tulipifera). Die Heimat dieser Pflanze ist der östliche Teil Nordamerikas. Auffällig sind die lang gestielten, hellgrünen, lyrenförmigen Blätter. Seine einzelnen Blüten haben eine gelbgrüne Farbe und orange Streifen. Mit ihrer Form erinnern sie an die Blüten der Tulpen. Es ist ein beliebtes Parkgewächs. Bei uns kam es das erste Mal im Schlosspark von Sychrov im Jahre 1880 vor.

Linecká Nr.  55, ehemalige Jesuitensommerresidenz, historisches Foto

Die Papierbirke (Betula papyrifera) ist ein weiterer interessanter Laubbaum im Park von Èeský Krumlov. Die ursprünglich nordamerikanische Art besitzt eine weiße, glatte Rinde, deren frühere Nutzung die Benennung des stattlichen Baumes verrät. Er hat breite, ovale Blätter, die Blüten bilden starke Blütenkätzchen, die zweimal länger sind als die von unserer Weißrindenbirke. Auch diese Birkenart ist im Park durch ein einziges Exemplar vertreten.

Der Haselbaum (Corylus colurna) vertritt hier das asiatische Gebiet. Natürlich wächst er auch auf dem Balkan. Es ist ein 20 Meter hoher Baum mit einer schönen und regelmäßig gestalteten Krone. Er hat auffällig lange Blütenkätzchen und große Nüsse mit kräftiger Schale. Falls Sie bis zum Kern durchkommen, werden sie ihnen bestimmt schmecken. Im Park finden Sie diesen Haselbaum in einer Gruppe von weiteren Holzgewächsen in der Nähe des Denkmals.

Um die Kapelle St. Martin herum wurde eine Gruppe von Roteichen (Quercus rubra) angepflanzt. Ihr Name erinnert an die auffällig rote Herbstfärbung der Blätter mit spitzen Lappen. Diese stattlichen, bis zu 35 Meter hohen Bäume haben ihre Heimat im Osten Nordamerikas. Es geht um ein anspruchsloses Holzgewächs, das auch in unseren Klimabedingungen gut wächst. Die mächtigste Roteiche im Park hat einen Stammumfang von 235 cm.

Ein weiteres ausgesuchtes Holzgewächs repräsentiert die Sträucher. Es ist der chinesische Flieder (Syringa rothomagensis). Es handelt sich um eine Kreuzung mehrerer Arten, einer seiner Elternteile ist der bekannte Gemeinflieder. Diese Kreuzung entstand wahrscheinlich im Jahre 1777 in Frankreich. Sie hat bogenartig überhängende, dünne Zweige mit kleineren spitzartig beendeten Blättern. Seine Blüten in großen Blütenständen sind schön violett bis rosa gefärbt. Im Stadtpark blieb nur noch ein einziges Exemplar.

Linecká Nr. 55, Hotel Bohemia Gold, Gesamtansicht

Die Auswahl der zehn erwähnten Arten ist nur ein kleines Beispiel von Holzgewächsen, die Sie im Stadtpark von Èeský Krumlov vorfinden können. Die Orientierung erleichtern Ihnen die Namensschilder, mit denen einige bestimmte Arten und veredelte Arten versehen sind. Es würde uns freuen, wenn Sie hier nicht nur eine Erholungsstelle bei der Besichtigung unserer einzigartigen Stadt, sondern auch Belehrung über Pflanzen finden, mit denen der Mensch versucht seine Umgebung zu verzieren.



Weitere Informationen :
Historische Gärten und Parks in der Stadt Èeský Krumlov
Schlossgarten in Èeský Krumlov
Charakteristik der Naturverhältnisse in der Region Èeský Krumlov

 



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