Archäologische Untersuchung des Hauses Nr. 15 auf dem Stadtplatz Námìstí Svornosti
 

 Námìstí Svornosti Nr. 15, Gesamtansicht
Das Haus Nr. 15 auf dem Stadtplatz Námìstí Svornosti gehört ohne Zweifel zu der ältesten Bausubstanz in der Stadt. Obwohl wir den Namen seines ersten Besitzers erst aus dem Jahr 1459 kennen, stand an dieser Stelle ein Bürgerhaus mit einem Keller an der Stirnseite bereits am Ende des 13. Jahrhunderts. Ursprünglich war es wahrscheinlich ein Blockbau, wohl auf einer steinernen Untermauerung. Noch in der Zeit der Gotik bauten es jedoch seine Bewohner mehrmals um. Bereits im 14. Jahrhundert wurde es jedoch mindestens auf dem Niveau der Keller und des Erdgeschosses aus mit Mörtel gebundenem Bruchstein gebaut. Aus dieser Zeit blieben ein Keller im linken Teil der Stirnseite, hinter dem Keller Reste von Arkaden, die damals in den später bebauten Hof geöffnet waren, der heute auch als ein Keller dient, und wohl auch ein weiterer Keller im rechten hinteren Teil des Erdgeschosses erhalten.

Die archäologische Untersuchung im Interieur des Hauses führten die Mitarbeiter des Bezirksheimatmuseums in Èeský Krumlov im Zusammenhang mit seiner Rekonstruktion an der Wende der Jahre 1993/94 durch. In den Kellern und im Erdgeschoss des Objektes untersuchten sie 7 Sonden mit einer Gesamtfläche von 50m2. Die interessantesten und zugleich wichtigsten archäologischen Situationen entdeckten sie in der Sonde Nr. 7 im rechten vorderen Teil des Erdgeschosses. Die Archäologen dokumentierten hier mehrere Entwicklungsphasen des Baus des Hauses in der 2. Hälfte des 13. und im Laufe des 14. Jahrhunderts. Die elementare Gliederung des vorderen Teils des Hauses - im linken Teil ein Keller, im rechten nicht unterkellertes Erdgeschoss - blieb aber seit dem 13. Jahrhundert bis heute erhalten.

Nach dem ältesten Bau (Phase A auf dem Bild) blieb der fest gestampfte, erdene Boden im nicht unterkellerten Teil des Erdgeschosses erhalten. Die Bauphase, zu der er gehörte, ging bei einem Brand noch im 13. Jahrhundert unter. Den Boden deckte nämlich eine 5-10 cm starke dunkle Brandschicht, die eine zahlenmäßig starke Kollektion von Keramikstücken ausschließlich aus dieser Zeit enthielt. Bereits in dieser Zeit war im linken Teil der Stirnwand ein Keller gegraben. Er war wahrscheinlich von Blockwänden konstruiert (ähnlich wie der Keller in der Stirnseite des Hauses Nr. 20 in der Panská-Gasse) und hatte eine Balkendecke.


Abb. 2

Abb. 5

Abb 2. - Kellerräume des Hauses während der Untersuchung. Im Hintergrund sehen wir die ursprünglichen Arkaden, Rest der ältesten steinernen Bauphase (Phase B). Die Arkaden waren im Mittelalter in den Hof im hinteren Teil der Parzelle des Hauses geöffnet. Foto Michal Ernée.

Abb. 5 - Erdener Stampfboden der ältesten Phase des Hauses (Phase A) aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Foto Michal Ernée.

Der Stampfboden wurde beim Bau der nördlichen Umfassungsmauer des Kellers zerstört, deren Krone samt der Tasche für den Deckenbalken es gelang bei der Untersuchung bloßzulegen (auf dem Bild Phase B). Nach dem Untergang des ältesten Baus (oder dessen Teils) blieb die exponierte Parzelle auf dem Stadtplatz sicher nicht lange ungenutzt. Die erste bewiesene steinerne Phase des Hauses (Phase B) ist also bereits am Ende des 13. oder zu Beginn des 14. Jahrhunderts vorauszusetzen.

Noch in demselben Jahrhundert wurde der Keller wieder umgebaut. Seine flache Balkendecke wurde niedergerissen und durch ein bis heute erhaltenes steinernes Tonnengewölbe ersetzt (auf dem Bild Phase C).


Abb 3.

Abb 4.
Abb. 3 - Grundriss des Hauses Nr. 15. auf dem Stadtplatz Námìstí Svornosti mit der Markierung des gotischen Mauerwerkes der Keller und des Erdgeschosses sowie der einzelnen archäologischen Sonden. Zeichnung: Michal Ernée.

Abb. 4 - Drei Entwicklungsphasen des Baus des vorderen Teils des Hauses Nr. 15 auf dem Stadtplatz Námìstí Svornosti in der 2. Hälfte des 13. - 14. Jahrhunderts. Phase A (oben) - ausschließlich hölzerne Konstruktion, Blockbau des Kellers mit einer flachen Balkendecke, Blockbau des Erdgeschosses; Phase B (in der Mitte) - gemauerter Keller mit einer flachen, hölzernen Balkendecke, gemauertes Erdgeschoss; Phase C (unten) - ganzsteinerner Keller sowie Erdgeschoss, der Keller mit Tonnengewölbe. Zeichnung: Michal Ernée.

In einer der Kulturschichten, die sich auf der Fläche des Hauses im 13. Jahrhundert bildeten, kam als ein älterer Zusatz ein keramisches Bruchstück von einem mit einer feinen mehrmaligen sog. "Kammwelle" verzierten Gefäß vor. Das Bruchstück wird ins 9. oder 8. Jahrhundert datiert und in der Zeit der Untersuchung handelte es sich um den ersten Beweis der Besiedlung der Fläche der späteren Zeit vor der Mitte des 13. Jahrhunderts (Urzeitliche und frühmittelalterliche Besiedlung auf dem Gebiet der Stadt Èeský Krumlov).

Bruchstück einer mit dem Relief eines Adlerweibchens verzierten Fliese aus gebranntem Lehm, Ende des 13. Jahrhunderts. Sammlungsfonds des Bezirksheimatmuseums in Èeský Krumlov.   Fliese mit dem Motiv eines Adlerweibchens (nach B. Nechvátal).

Ein zweifellos einzigartiger Fund, der mit den ältesten Phasen der Existenz des Hauses zusammenhängt, ist ein Bruchstück einer mit einem Relief verzierten Fliese aus gebranntem Lehm. Die mit dem Motiv eines Adlerweibchens verzierte Fliese entstand wahrscheinlich noch vor dem Ende des 13. Jahrhunderts. Die aus mit Reliefen verzierten (manchmal auch glasierten) Fliesen zusammengelegten Fußböden kennen wir eher aus dem Kloster- oder Herrenmilieu. Das Vorkommen eines solchen Fundes in einem Bürgerhaus müssen wir für überraschend halten.

Von der Grundgrube der wahrscheinlich in der Barockzeit umgebauten nördlichen Umfassungsmauer des Hauses stammt eine große Kollektion von grün glasierten Renaissanceofenkacheln. Der Ofen, den es gelang zeichnerisch zu rekonstruieren, wurde im 16. Jahrhundert hergestellt und ist ein schönes Beispiel einer Heizanlage - Standardausstattung jedes Renaissancebürgerhaushaltes.

Grün glasierte Renaissanceofenkacheln und Zierelemente der Kachelöfen (16. Jahrhundert) von der  archäologischen Untersuchung im Haus Nr. 15 am Stadtplatz Námìstí Svornosti. Sammlungsfonds des Regionalmuseums in Èeský Krumlov. Zeichenrekonstruktion eines Renaissancekachelofens nach der Kollektion von Kacheln aus dem Haus Nr. 15 auf dem Stadtplatz Námìstí Svornosti. Zeichnung: Michal Ernée. Grün glasierte Renaissanceofenkacheln und Zierelemente der Kachelöfen (16. Jahrhundert) von der  archäologischen Untersuchung im Haus Nr. 15 am Stadtplatz Námìstí Svornosti. Sammlungsfonds des Regionalmuseums in Èeský Krumlov.
Grün glasierte Renaissanceofenkacheln und Zierelemente der Kachelöfen (16. Jahrhundert) von der  archäologischen Untersuchung im Haus Nr. 15 am Stadtplatz Námìstí Svornosti. Sammlungsfonds des Regionalmuseums in Èeský Krumlov.

Ein weiterer unerwarteter Fund gelang den Archäologen im Keller des Hauses. In der nordwestlichen Ecke seines linken hinteren Raums versteckte sich unter dem Fußboden aus gebrannten Fliesen der Grundriss eines untergegangenen Backofens, wie es sich später zeigte. Archäologische Funde legen die Zeit des Funktionierens und Untergangs des Backofens in die Frühe Neuzeit. Zwischen dem Jahr 1459 und dem Ende des 16. Jahrhunderts waren die Bäcker unter den Besitzern des Objektes die einzigen Handwerker, die zu ihrer Arbeit eine solche Anlage nutzen konnten. In den Jahren 1536-1540 lebte hier der Bäcker Kunc. Seit dem Jahr 1540 dann der langjährige Krumauer Ratsherr und Bäcker Mates Plankl. Nach seinem Tod (1576) übernahm das Haus sowie das Bäckerhandwerk sein Sohn Vilém und er betrieb es weiter bis zum Jahr 1599. Mit seinem Tod endet auch die Ära der Bäcker im Haus Nr. 15 auf dem Stadtplatz Námìstí Svornosti. Den Backofen baute und benutzte also einer der Hausbesitzer zwischen den Jahren 1536-1599. Untr einem der weiteren Hausbesitzer (Schreiber und Weinhändler) hörte der Backofen wohl bald auf seine Funktion zu erfüllen und wurde niedergerissen.

Porträt eines bärtigen Mannes auf dem Grabstein des Bäckers Mates Plankl. Foto Michal Ernée.   Reste des im Keller des Hauses Nr. 15 auf dem Stadtplatz Námìstí Svornosti bloßgelegten Backofens (16. Jahrhunderts). Foto Michal Ernée.

Der Bäcker Mates Plankl wurde nach seinem Tod im Januar 1576 auf dem Friedhof an der Kirche St. Veit begraben. In der Mauer des Kaplanhauses (Nr. 159 in der Horní-Gasse) blieb bis heute seine Granitgrabplatte erhalten. Die Reliefhalbgestalt eines bärtigen Mannes darauf hält das Zunftzeichen der Bäcker. Vielleicht schaut uns gerade Mates Plankl an, der Mann, der höchstwahrscheinlich im Backofen backte und an dem Kachelofen saß, deren Reste die Archäologen im Interieur des Hauses Nr. 15 auf dem Stadtplatz Námìstí Svornosti entdeckten, das ihm einst gehörte.

(me)

Weitere Informationen :
Archäologische Untersuchungen in der Stadt Èeský Krumlov
Archäologische Untersuchung der mittelalterlichen Stadt Èeský Krumlov



© Sdružení Oficiálního informaèního systému Èeský Krumlov, 2002
Besucherzahl dieser Seite seit 28. November 2002 : TOPlist 0

Èeská verzeEnglish version